13 Jahre lang eine tragende Säule – Andrea Schäffer verabschiedet
Mit Karin Heselmeier und Marion Hodde die Last auf zwei Schulternpaare verteilt
Anja Schubert
OPPENWEHE. „Lasst uns anfangen, bevor es regnet“, bat Uwe Spreen, Leiter des Posaunenchores Oppenwehe-Wehdem scherzhaft. Doch wenn besondere kirchliche Ereignisse noch dazu an besonderem Ort ins Haus stehen, hält Gott auch über das Wetter seine schützende Hand.
So auch gestern, als an der Oppenweher Bockwindmühle das Himmelfahrtsfest mit einem gemeinsamen Freiluftgottesdienst der Gemeinden Oppenwehe und Wehdem gefeiert wurde und Kirchmeisterin Andrea Schäffer nach 13 Jahren ihr Amt in die Hände von Karin Heselmeier und Marion Hodde legte.
„Seit Himmelfahrt leben wir einmal mehr im Glauben als im Schauen“, so Sigrid Mettenbrink mit Blick auf die eigentliche Bedeutung des Feiertages, der auch als Vatertag nicht nur für Väter ein Abschalten vom Alltag ermöglicht. „Jesus ist in den Himmel aufgefahren und wir machen auf der Erde weiter.“ Am Beispiel der Geschichte Ottfried Preußlers vom kleinen Drachen veranschaulichte die Gemeindepfarrerin, dass nur die Bindung an Gott und den Glauben ein Aufsteigen und die Kraft zu neue Taten ermögliche. „Ohne Schnur kann ein Drachen ebenso wenig fliegen wie wir“, so Mettenbrink weiter. „Auch wir wollen manchmal abschalten, einfach ausbrechen, durchatmen und alles hinter uns lassen. Das steht uns zu. Die Verbindung zu Gott ermöglicht es uns, nicht den Rückhalt zu verlieren.“
Und noch ein besonderer Moment ließ Sonnenstrahlen blinzeln und den Regen zumindest bis zum Mittag noch ein wenig innehalten: Andrea Schäffer, seit 23 Jahren als Presbyterin eine der tragenden Säulen der Oppenweher Kirchengemeinde, wurde nach 13-jähriger Ehrenamtszeit als Kirchmeisterin mit Worten des Dankes und der Wertschätzung verabschiedet. „Wir sagen als Gemeinde, als Region Stemwede und auch als Kirchenkreis Danke für die verantwortungsbewusste Erfüllung dieses Amtes“, sprach Mettenbrink den zahlreich erschienen Gemeindemitgliedern aus der Seele, nicht ohne den vorwiegend Insidern bekannten großen Umfang dieses Amtes hervorzuheben. „13 Jahre als Kirchmeisterin, da ist vieles passiert“, verwies die Geistliche auf das Papier „Kirche mit Zukunft“, dass als „hoffnungsvollen Programm“ noch unter dem alten Präses die Weichen in Kreisen der Landeskirche völlig neu stellte. „In Oppenwehe ist dieses geradezu bedrückend angekommen, denn das Papier beinhaltete Umstrukturierungen und neue Personal- und Finanzplanung, verfasst von Kirchenkreisen mit urbanen Strukturen, die von Kirche im Dorf und auf dem Land keine Ahnung haben“, hielt Mettenbrink mit ihrer Kritik nicht außen vor und an Andrea Schäffer gewandt: „Kirche muss im Dorf bleiben, denn nur so kann sie Gemeinschaftsgefühl geben und gelebt werden. Dafür hast Du gekämpft, Deine Ansicht laut und deutlich vertreten.“ Auch dem Kampf um die Pfarrstelle, der Verantwortungsübernahme in der pfarrerlosen Übergangsphase und dem wachsamen Auge auf den Finanzapparat habe sich die scheidende Kirchmeisterin gestellt. „Es war viel, es war teilweise hart, aber es hat auch immer Spaß gemacht“, dankte Andrea Schäffer den Presbyteriumskollegen, der Gemeinde und insbesondere Gemeindesekretärin Gundula Schillak für die Unterstützung. „Ohne Dich hätte ich die pfarrerlose Zeit nicht bewältigt.“
Als Geschenk überreichte ihr das Presbyterium einen Gutschein für ein Krimidinner, um endlich mit Ehemann Klaus einfach mal abzuschalten.
Dem Presbyterium wird die 53-jährige, die sich freut, jetzt mehr Zeit ihrer Familie und ihrem ersten Enkelkind schenken zu können, weiterhin treu bleiben. „In Stemwede wird sich die nächsten Jahre kirchlich vieles ändern. Da möchte ich mit meiner kritischen Einstellung weiterhin mitreden.“
Da sich das umfangreiche Kirchmeisteramt in der Nachfolge Schäffers niemand alleine ans Bein binden wollte, wird dieses jetzt von zwei Frauen geschultert: Karin Heselmeier übernimmt das Kirchmeisteramt und die Vertretung der Pfarrerin, Marion Hodde wurde zudem als neue Finanzkirchmeisterin in ihr Amt eingeführt. „Danke, dass ihr ja gesagt habt“, freute sich Mettenbrink über das neue Damen-Dreigestirn.
In geselliger Runde durfte nach dem Gottesdienst traditionell die leckere Spargelsuppe genossen werden, die die Damen der Mühlengruppe vorbereitet hatten. Auch Kekse, Kaffee und Tee luden noch ein wenig länger zum Verweilen ein, bis die ersten Regentropfen eine doch etwas längere feuchte Benetzung der Natur ankündigten. Art