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Unter dem Licht der Kindheit
Über dem Esstisch meiner Kindheit hing eine Lampe mit bunten Glassteinen.
Kein Designerstück, kein besonderes Material – aber sie war da. Jeden Tag.
Irgendwann habe ich diese Lampe aus dem Elternhaus mitgenommen, als es leer stand.
Ich habe sie aufgehoben, bei uns zu Hause aufgehängt – und in ihrem Licht kehren immer wieder alte Erinnerungen zurück.
Das gemeinsame Abendessen, als wir Kinder waren – gemütlich, unter dem warmen Leuchten der bunten Steine.
Geburtstagsfeiern mit Kerzen auf dem Kuchen, an denen alle zusammenkamen.
Der liebevoll gedeckte, festliche Tisch zu besonderen Feiertagen.
Auch die Streitereien unter uns Geschwistern, der Streit mit den Eltern.
Der innere Kampf vor dem Schulheft, die Hausaufgaben, aber auch eine Mutter, die Nähe schenkte, und der Vater beim Zeitungslesen.
Die Lampe hat über allem geleuchtet.
Manchmal konnte ich mich als Kind in den bunten Steinen wegträumen – wie ein Schatz aus 1001 Nacht.
Diese Lampe ist für mich zu einem Zeichen geworden.
Nicht für eine heile Welt,
aber für gelebtes Leben.
Für Kindheit, die auch Mühe war – und trotzdem trägt.
Für Erinnerungen, die gemischt sind – und trotzdem wertvoll.
In der Bibel heißt es:
„Lasst euch als lebendige Steine in das Haus einfügen, das Gott baut.“ (1. Petrus 2,5)
Ich denke oft: Kirche müsste eigentlich wie ein Kristall sein.
Kein perfekter Bau, aber ein Ort, an dem Licht durchscheinen kann.
Durch Menschen, die echt sind.
Durch Erinnerungen, die angenommen sind.
Durch Verletzungen, die nicht versteckt werden müssen.
Ich wünsche mir Kirche als einen Ort,
an dem wir Bedeutung geben dürfen:
unserem Weg, unserer Geschichte, unserer Hoffnung.
Und an dem wir nicht gefragt werden, ob alles glänzt –
sondern ob es leuchtet.
Gebetsimpuls
Gott,
du kennst unsere Bilder und unsere Erinnerungen.
Du weißt, was wir aufheben – und was wir lieber vergessen.
Hilf uns, Sinn zu finden in dem, was war.
Hilf uns, Bedeutung zu geben –
damit wir klarer sehen
und leuchten können in deiner Welt.
Amen.